Maria*

Maria...ich kenne sie schon fast 20 Jahre. Wir sind zusammen in die Grundschule gegangen, wohnten sogar in derselben Straße...200 Meter voneinander entfernt. Vorher hatten wir uns noch nie gesehen ...trotz der wohnlichen Nähe und der Tatsache das wir in benachbarte Kindergärten gingen. Was uns quasi zu "Feinden" machte *schmunzel*. Wir verbrachten ungefähr 3 1/2 Jahre in einer Klasse, dann zog sie mit ihrer Mutter um. Ich frag mich grad ob es Zufall war, das es der Wohnort meiner Oma ist...wo sie hin zogen. Wie dem auch sei...sie war weg und es war ein kompletter Kontaktabbruch.
In so jungen Jahren bemerkt man wohl noch nicht was einem ein Mensch bedeuten kann. Aber plötzlich, ein paar Jahre später, erhielt ich einen Brief von ihr. Ich hab gefreut darüber, wieder was von ihr zu hören. Kurze Zeit später besuchte sie mich auch mal und wir verstanden uns wie früher *lächel*. Der Briefkontakt hielt aber nicht lang an. Wahrscheinlich weil ich als Teenager, nicht so den Bock drauf hatte Briefe zu schreiben und ich auch nicht wirklich wusste was ich ihr schreiben sollte. So kam es das wir diesen Kontakt auch wieder verloren. Jeder lebte wieder sein Leben und die Jahre vergingen... In dieser Zeit besuchte ich meine Oma auch nicht sehr oft sonst hätte es durchaus ja mal zu einem Treffen kommen können.
Eines Tages aber packte es mich und ich wollte Maria besuchen. Gesagt...getan! Ich suchte die alten Briefe von ihr raus um ihre Adresse herauszubekommen. Ich wurde fündig...:). Kurz Zeit später fuhr ich mit meinen Eltern zu meiner Oma. Als wir ankamen...kaufte ich einen Strauß Blumen und machte mich auf die Suche nach ihr. Ihre Eltern wohnten immer noch dort...ihre Mutter erkannte ich erst auf den zweiten Blick. Sie wusste auch nicht sofort wo sie mcih hinstecken soll und musste auch zweimal überlegen, woher sie meinen Namen kannte. Als es ihr einfiel schickte sie mich zwei Straßen weiter...dort wohnte Maria jetzt mit ihrem Freund. Der war mir auch sofort sympathisch. Naja ich stand also nun da, mit nem Strauß Blumen, einem Grinsen im Gesicht, voller Freude sie wiederzusehen. Sie war sehr überrascht und freute sich genauso wie ich mich. Wir fielen uns in die Arme, drückten uns und wir verstanden uns wie früher. Es schien so als ob die Zeit des letzten Briefes und dieses Wiedersehens stillgestanden war. Wir redeten wie in alten Zeiten über das was wir so erlebt haben in der Zwischenzeit, und über alte Zeiten die wir gemeinsam erlebt hatten. Es war klasse.
Doch diese Zeit ging für mich traurig zu Ende... Wir telefonierten regelmäßig und sahen uns jetzt auch öfter weil ich an den Wochenenden mehr bei meiner Oma war. Wir erzählten uns unsere Probleme die wir so geahbt haben und sie deutete an das sie ein Problem hat wobei ihr wohl niemand helfen konnte.
Ich half ihr bei ihrem Umzug in eine neue Wohnung. Übernachtete auch bei ihr. Es war ein schreckliches Wochenende. Ich wusste sie hat was, habe mehrmals nachgefragt ob sie nicht doch drüber reden wollte. Aber sie wollte nicht. Das drückte die Stimmung auf einen Tiefpunkt und wir dann gar nicht mehr miteinander redeten. Sie begleitete mich am nächsten Tag zu meiner Oma. Vor der Haustür bedankte sie sich für die Hilfe und entschuldigte sich für ihr Verhalten. Ich nickte nur zustimmend. Drehte mich um und ging, bevor ich in den Hausflur eintrat schaute ich nochmal nach ihr. Ich hab das Bild grad vor Augen. Ich sehe sie dastehen...verzweifelt, traurig und nicht wissend ob ich ihre Entschuldigung angenommen habe...
Ab diesem Zeitpunkt war alles vorbei...keine Besuche mehr, keine Anrufe... Das traurige an dieser ganzen Geschichte ist...dass ich ihr nicht mehr sagen kann das es Ok war...ich habe nicht mehr die Möglichkeit ihr zu sagen das ihr verziehen habe. Es gingen wieder Jahre ins Land...und ich machte mich wieder auf die Suche nach ihr. Wieder um zu erfahren wie es ihr geht und ergangen ist...
Wieder fuhr ich zu ihren Eltern, zu ihrer alten Wohnung und zur Wohnung von ihrem Freund. Diese Wohnung von war leer, er wohnte dort nicht mehr, sie war aus ihrer Wohnung auch ausgezogen. Bei ihren Eltern hatte ich beim zweiten Besuch Glück, als ich zum ersten Mal da war öffnete niemand. Diesmal erkannte mich ihre Mutter schneller. Aber sie hatte absolut keine guten Nachrichten... Maria ist in der Zwischenzeit an einer unheilbaren Nervenkrankheit erkrankt. Sie lag damals in einem Pflegeheim...ihre Mutter sagte mir wo sie liegt und wie ich dahin komme. Ich fuhr am nächsten Tag hin... Als ich sie wiedersah, erschrak ich total...sie lag im Bett, ihr Arm war verkrümmt, sie gab wirre Laute von sich, machte wilde Gesten... Kein Mensch weiß ob sie mich erkannt hat, ob sie ihre Umwelt durch die Krankheit überhaupt noch wahrnimmt. Es ging ihr den Umständen entsprechend aber gut, wie mir der Arzt sagte. Ihr Anblick...ihre Hilflosigkeit...sie so zu sehen...und das Wissen dass keine Heilungschance besteht, löst große Betroffenheit und Traurigkeit in mir aus. Aber kein Mensch kann ihr helfen... Das Schlimmste aber ist, meine Erkentnnis im Nachhinein. Ich kann ihr nicht mehr sagen dass ich ihr verziehen habe, und das es Scheiße ist, dass unser letztes Treffen nur mit einem Kopfnicken meinerseits endete...
Wie es ihr heute geht oder ob sie überhaupt noch lebt, dass weiß ich nicht.
Ich finde es heraus!
*Name geändert

2 Comments:
Wednesday das hast du schön gesagt...
Du übernimmst mit deinem Verhalten, Verantwortung für die Gefühle anderer...aber du kannst es ganz bestimmt niemals komplett verhindern...das du Menschen Nahe stehst...denn ich mag dich...
hm...dazu mach ich mir ein paar Gedanken, und dann werde ich gedankenlos das Gedachte und Erdachte in mein weblog tippen.
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